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Sodom und Gomorra vor Gericht


«Da geht es ja zu wie in Sodom und Gomorra».


Sicher hast du diese Redewendung auch schon gehört, wenn sich jemand über ungehörige Zustände oder moralisch verwerfliche Handlungen beschwert. Doch wie ging es denn wirklich zu in Sodom und Gomorra? Heute wissen viele mit etwas Glück noch knapp, dass die Redewendung ihren Ursprung in der Bibel hat.


Die Geschichte von Sodom und Gomorra ist eine der meistdiskutierten Erzählungen der Bibel. Seit Jahrhunderten gibt es unterschiedlichste Interpretationen und Auslegungen um die Sünden dieser Städte und deren Zerstörung.


Doch was war eigentlich die Sünde von Sodom und Gomorra? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, ist es unerlässlich, die biblischen Berichte aus verschiedenen Perspektiven zu analysieren und in einen größeren Zusammenhang zu stellen.


Ähnlich wie bei einem Gerichtsprozess werden wir verschiedene Zeugen aus der Bibel aufrufen und sehen, dass nur durch die Betrachtung unterschiedlicher Aussagen, eine Annäherung an die Wahrheit möglich ist.  

Also ab in den Gerichtssaal.

 

Richterin im Gerichtssaal


1. Die Bedeutung mehrerer Zeugen


Ein Zeuge ist kein Zeuge. Dieser wichtige Grundsatz gilt nicht nur für das Aufklären von Straftaten – sondern auch für eine möglichst objektive Auslegung der Bibel.


Die Bibel selbst legt nahe, dass zur Fällung eines gerechten Urteils die Aussagen von zwei oder drei Zeugen erforderlich sind. Dieser Grundsatz wird erstmals in 5. Mose 17:6 und später von Jesus in Matthäus 18:16 erwähnt.


6 Auf zweier oder dreier Zeugen Mund soll sterben, wer des Todes wert ist, aber auf nur eines Zeugen Mund soll er nicht sterben. 5.Mose 17:6
Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei Männer mit, denn jede Sache muss durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werden. Matthäus 18:16

Um der Sünde von Sodom und Gomorra auf die Spur zu kommen, müssen wir also unterschiedliche Aussagen und Zeugen-Berichte analysieren.


Ich kann mich gut an meine Zeit in der Journalisten-Schule erinnern. Wir mussten als Übungsaufgabe auf Grundlage von 5 Zeugenberichten einen Artikel über eine Massenkarambolage schreiben. Die Zeugenaussagen hätten unterschiedlicher fast nicht sein können – und doch hat sich nach dem Betrachten aller Aussagen ein stimmiges Gesamtbild ergeben.



Auto nach einem Unfall

2. Das erste Buch Mose – der erste Zeuge


Rufen wir als erstes einer der Hauptzeugen in den Zeugenstand:

1. Mose 19:1-11. 


Die Geschichte von Sodom und Gomorra beginnt in 1. Mose 19:1-11, wo die versuchte Vergewaltigung der Gäste Lots durch die Männer von Sodom beschrieben wird. Diese Passage zeigt eindeutig die Gewaltbereitschaft und mögliche sexuelle Vergehen der Einwohner von Sodom.


1 Die beiden Engel kamen am Abend nach Sodom. Lot saß im Stadttor von Sodom. Als er sie sah, erhob er sich, trat auf sie zu, warf sich mit dem Gesicht zur Erde nieder 2 und sagte: Bitte, meine Herren, kehrt doch im Haus eures Knechtes ein, bleibt über Nacht und wascht euch die Füße! Am Morgen könnt ihr euren Weg fortsetzen. Nein, sagten sie, wir wollen auf dem Platz übernachten. 3 Er bedrängte sie so sehr, dass sie bei ihm einkehrten und in sein Haus kamen. Er bereitete ihnen ein Mahl, ließ ungesäuerte Brote backen und sie aßen. 4 Sie waren noch nicht schlafen gegangen, da umstellten die Männer der Stadt das Haus, die Männer von Sodom, Jung und Alt, alles Volk von weit und breit. 5 Sie riefen nach Lot und fragten ihn: Wo sind die Männer, die heute Nacht zu dir gekommen sind? Bring sie zu uns heraus, wir wollen mit ihnen verkehren. 6 Da ging Lot zu ihnen hinaus vor die Tür, schloss sie hinter sich zu 7 und sagte: Meine Brüder, tut doch nicht das Böse! 8 Seht doch, ich habe zwei Töchter, die noch nicht mit einem Mann verkehrt haben. Ich will sie zu euch herausbringen. Dann tut mit ihnen, was euch gefällt. Nur diesen Männern tut nichts; denn deshalb sind sie ja unter den Schutz meines Daches getreten. 9 Sie aber sagten: Geh weg! Und sie sagten: Kommt da so einer daher, ein Fremder, und will sich als Richter aufspielen! Nun wollen wir dir Böseres antun, noch mehr als ihnen. Sie setzten dem Mann, nämlich Lot, arg zu und waren schon dabei, die Tür aufzubrechen. 10 Da streckten jene Männer die Hand aus, zogen Lot zu sich ins Haus und sperrten die Tür zu. 11 Dann schlugen sie die Männer draußen vor dem Haus, Groß und Klein, mit Blindheit, sodass sie sich vergebens bemühten, den Eingang zu finden.  1. Mose 19:1-11

Die Sünde der Einwohner von Sodom und Gomorra war also die sexuelle Unmoral? Können wir den Fall damit schon abschliessen?

Nicht so schnell – wir haben noch nicht alle Zeugen angehört.  


3. Weitere Zeugen: Hesekiel, Jeremia, Petrus und Judas


Gerichtssaal

Rufen wir die Zeugen Hesekiel, Jeremia, Petrus und Judas in den Zeugenstand.


Die Aussagen von Hesekiel 16:49-50, Jeremia 23:14, 2. Petrus 2:6-8 und Judas 7 liefern zusätzliche Einblicke. Während Hesekiel hauptsächlich Hochmut, Vernachlässigung der Armen und Gräuel betont, weisen andere Stellen auf einen ausschweifenden Lebensstil, Unzucht und die Verfolgung anderer Laster hin. Diese Zeugnisse verdeutlichen, dass die Sünden von Sodom und Gomorra vielschichtig waren und nicht auf ein einzelnes Vergehen reduziert werden können.


Haben wir nun die ganze Wahrheit erkannt – oder ist da noch mehr?


Deine Schwester Sodom war eingebildet. Sie lebte mit ihren Töchtern in sorgloser Ruhe und im Überfluss. Arme und Elende kümmerten sie nicht. Sie waren stolz und taten abscheuliche Dinge. Als ich das sah, schaffte ich sie weg. Hesekiel 16:49-50
14 aber bei den Propheten zu Jerusalem sehe ich Gräuel, wie sie ehebrechen und mit Lügen umgehen und die Boshaften stärken, auf dass sich ja niemand bekehre von seiner Bosheit. Sie sind alle vor mir gleichwie Sodom und die Bürger Jerusalems wie Gomorra. Jeremia 23:14
und hat die Städte Sodom und Gomorra in Schutt und Asche gelegt und zum Untergang verurteilt und damit ein Beispiel gesetzt für die Gottlosen in späteren Zeiten; 7 und hat den gerechten Lot errettet, dem die schändlichen Leute viel Leid antaten mit ihrem ausschweifenden Wandel. 8 Denn der Gerechte, der unter ihnen wohnte, musste alles mit ansehen und anhören und seine gerechte Seele von Tag zu Tag quälen lassen durch ihre unrechten Werke. 2. Petrus 2:6-8
7 So sind auch Sodom und Gomorra und die umliegenden Städte, die gleicherweise wie sie Unzucht getrieben haben und anderem Fleisch nachgegangen sind, zum Beispiel gesetzt und leiden des ewigen Feuers Pein. Judas 7

 

4. Motiv vs. Wahrheit

 

Auch Theologen haben persönliche Motive – die bewusst oder unbewusst die Auslegung der Bibel beeinflussen. Es gibt Theologen bzw. ganze Bewegungen, die felsenfest behaupten, dass Homosexualität das einzige bzw. das primäre Vergehen von Sodom und Gomorra war.

Ebenso gibt es auf der anderen Seite Theologen, die allein das Vernachlässigen der Armen – also die soziale Ungerechtigkeit – für den Fall von Sodom und Gomorra verantwortlich machen. Beide Aussagen sind isoliert betrachtet gefährlich und führen zu einem ungerechten bzw. zu einem subjektiven Schuldspruch.


Wenn wir der Wahrheit näherkommen wollen – müssen wir die persönlichen Motive von solchen Auslegungen erkennen und verstehen. Theologen oder Bewegungen, welche die Sexuelle Unmoral ausklammern, stehen in der Gefahr – eine neue, progressive Sexualethik einzuführen – die mit den Geboten Gottes nichts mehr zu tun hat. Von der Seite hören wir oft oberflächliche Aussagen wie; Liebe ist Liebe – es spielt keine Rolle, ob ein Mann einen Mann oder eine Frau liebt.


Ebenso führt das Ausblenden der sozialen Ungerechtigkeit in Sodom und Gomorra zu einer einseitigen, gesetzlichen Theologie, welche versucht Sünden zu kategorisieren. Mit anderen Worten, sexuelle Unmoral muss bestimmt schlimmer sein – als soziale Ungerechtigkeit.  Auch diese Aussage – hat nichts mit Gottes Wort zu tun und erinnert an die über 600 Gesetze die das Volk Gottes nicht von Sünde befreit – sondern der Sünde versklavt hat.


5. Die Summe des Wortes ist die Wahrheit

 


Eine vollständige Betrachtung aller relevanten Bibelstellen ist also essenziell, um ein ganzheitliches Verständnis der Sünden von Sodom und Gomorra zu bekommen. Es ist wichtig, eine persönliche Studie zu betreiben und Auslegungen kritisch zu hinterfragen, anstatt sich vorschnell mit einer einzigen Interpretation zufriedenzugeben.

Ein entscheidender Hinweis darauf finden wir in Psalm 119,60.


Die Summe deines Wortes ist Wahrheit, und alles Recht deiner Gerechtigkeit währt ewiglich. Psalm 119,60

Gott allein hat kennt die absolute Wahrheit seines Wortes. Mit unserem beschränkten Verstand und Wissen können wir uns der Wahrheit nur annähern.


Von rechthaberischen Diskussionen über die absolute Wahrheit von einzelnen Bibel-Passagen halten wir uns besser fern – sie führen nicht zur Entdeckung der Wahrheit – sondern lenken von unserer echten Berufung ab.


Wichtig ist, dass wir uns regelmässig mit Gottes Wort auseinandersetzen – und den Heiligen Geist darum bitten, uns bei der Auslegung zu helfen.

 

6.  Wie lautet das Urteil?



Wie lautet denn nun das Urteil über Sodom und Gomorra - für welche Sünden wurden die beiden Städte bestraft?


Was denkst du? Was sind deine Erkenntnisse, nachdem du die verschiedenen Zeugenaussagen gelesen hast?


Wie so oft bei Fragen zur Bibel – gibt es nicht die klare und absolute Antwort, die wir uns als Menschen oft wünschen. Was wir wissen ist; dass Gottes Urteil gerecht war – und dass die Bewohner der beiden Städte sich von Gott abgewandt hatten.


Das Schicksal von Sodom und Gomorra zeigt deutlich auf, dass das Abwenden von Gott der Sünde die Tore weit öffnet – und schlussendlich zum Tod führt.


Halten wir also an Gott und seinem Wort fest – und ermutigen wir einander – sein Wort immer wieder neu zu erforschen und unser Leben danach auszurichten.


Wir wünschen dir viel Segen dabei.


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